DFB Pokal: Oxxenbach – Eintracht Frankfurt

Montag, 01.09.2003

Kickers Oxxenbach – Eintracht Frankfurt

Endstand: 4 – 5 n.E. (1 – 1)

Zuschauer: 20500 ( ausverkauft )


 

Es war Samstag, und wir befanden uns in Heidenheim beim Bayernfanclubturnier (Entschuldigung hierfür). Wir hatten schon einige Goasmaß intus, da fiel uns ein, dass just in diesem Moment die Auslosung der 1. Runde im DFB-Pokal stattfand. Steeb rief sofort seinen Cousin an, der die Auslosung live am Fernseher mitverfolgte. Die ersten drei Partien waren uninteressant, aber als siebte Mannschaft wurde die Eintracht gezogen. Ich sagte noch aus Spaß: „Wenn jetzt die Kickers gezogen werden, geb ich sieben Maß aus!“ In diesem Moment wurde Steeb´s Gesicht kreidebleich. Das andere Ende musste ihm irgendwas sensationelles berichtet haben. Als er wieder Luft und Farbe gefunden hatte, stotterte er etwas von Offenbach und Kickers und Derby. So langsam begriff auch ich was eben geschehen war. Nach 19 Jahren sollte es endlich mal wieder zu einem Derby der ersten Mannschaften von Frankfurt und Offenbach kommen. An die sieben Maß, die ich bezahlen musste, dachte ich in diesem Moment nicht. Steeb und ich hüpften vor Freude über den ganzen Zeltplatz. Als wir uns wieder beruhigt hatten, ließ ich erstmal das Dreiliterweizenglas mit Goasmaß füllen. Es wurde noch bis tief in die Nacht gefeiert.
Natürlich hieß es jetzt sofort Karten zu bestellen. Die Hoffnung Karten zu bekommen war allerdings sehr gering, da die Eintracht nur einen geringen Teil der Karten bekam und diese unter zigtausenden Bestellern aufteilen musste. Da das Derby am Samstag den 30.August stattfinden sollte, und wir somit unseren Kerb-Iron-Man verpasst hätten, gaben wir uns schon damit ab, nicht auf dieses Spiel zu gehen.
Allerdings begann dann ein Hickhack, der seinesgleichen sucht:
Der Hessische Rundfunk wollte unbedingt das Spiel live übertragen. Allerdings hatte sich das ZDF, das die Rechte besitzt, schon auf die Partie Dresden – HSV festgelegt. Und die Rechte wollten sie nicht verkaufen, da ja dann ein spannendes Spiel in ihrem Sportstudio fehlen würde. Naja dann eben nicht. Nach ein paar Tagen kam dann aber doch die Meldung, der HR könnte die Rechte kaufen, und zwar für einen Betrag, der seit 1997 festgelegt ist, und dem HR auch vorher schon bekannt gewesen ist. Aber was war die Reaktion des HR: „Diese Ausgabe können wir dem Steuerzahler nicht zumuten. Es ist viel zu teuer.“ Aber Hauptsache vorher voll den Terz um die Übertragung gemacht. Allerdings kam die Sache dank eines Auftrittes von Rudi Völler im Sportkalender noch mal ins Rollen. Tante Käthe kritisierte sehr heftig vor laufender Kamera, dass es der HR nicht auf die Reihe bekommt und das Spiel überträgt. Durch den Einsatz des Präsidenten vom OFC, der einen Sponsor beschaffte, der einen Teil der Kosten für die Übertragung bezahlen wollte, kam eine Liveübertragung doch noch zustande. Neuer Spieltermin: Montag 1.9. 17.30 Uhr.
Dies hieß für uns, das wir auf dieses Spiel konnten, ohne den Iron Man zu verpassen. Jetzt hofften wir darauf, bei Ebay noch einigermaßen günstige Karten zu bekommen. Und Steeb bekam auch den Zuschlag für zwei Karten für zusammen 52 Euro. Ein Schnäppchen! Allerdings kam dann noch eine Überraschung. Die Eintracht schickte nicht den ersten Bestellern all ihre bestellten Karten, sondern splittete die Kartenanzahl, so dass jeder ein paar Karten bekam, wir auch. Die Tage bis zum Derby zogen sich unendlich in die Länge. Aber irgendwann war er da, der Tag X.
Der Plan war: mit dem Auto nach Frankfurt zu fahren, um von dort aus mit dem „schwarzen Mob“ nach Offenbach zu fahren. Nachdem die Odenwälder (Gerrit, Pit und ein Unbekannter, so wie Tornado und Kobra) mal wieder viel zu spät kamen, waren wir erst um 14.45 Uhr auf der Autobahn. Gerrit fuhr vorneweg, da er angeblich den Weg zum Treffpunkt kennen würde. Allerdings war bedingt durch irgendein beschissenes Fest halb Frankfurt gesperrt, und so kamen wir nicht dahin, wo wir hin wollten. Irgendwann entschieden wir uns zum Hauptbahnhof zu fahren, und mit dem Sonderzug zu fahren, der dort um 15.50 starten sollte.
Wir waren kaum durch den Eingang des Hauptbahnhofs gelaufen, schon hatten wir die Polizei am Hals: „Halt stehen bleiben, Personenkontrolle! Eure Ausweise bitte!“ Betroffen waren Steffen, Bimbo, Steeb, dessen Cousin und ich. Wir gaben natürlich gleich unsre Ausweise ab, und amüsierten uns darüber, dass die Polizei anscheinend nichts besseres zu tun hatte. Steffen entwickelte sich nach ein paar lockeren Sprüchen („Scheiße, jetzt hab ich vergessen mich zu melden“) zum „Gruppenkasper“. Allerdings nahmen das die Polizisten, die uns umzingelten nicht so lustig auf und waren nur am motzen. Steeb wollte dann die anderen anrufen, dass sie wissen wo wir sind. Dies bekam er natürlich auch gleich verboten. Kurz darauf kam der Freak aus einem Geschäft auf uns zu und sah die Polizisten. Sein erster Kommentar: „He he, seid ihr schon festgenommen worden? Und das ohne mich? Das geht nicht!“ Hierauf wollte er zu uns laufen, wurde aber gleich wieder rüde von einem Polizisten gestoppt, der ihn darauf hinwies, das dies ja eine Personenkontrolle ist, und man da nicht einfach reingehen kann. Als hätten sie gerade irgendeinen Topterroristen geschnappt. Typisch Polizei!
Irgendwann bekamen wir dann auch alle unsere Ausweise wieder und konnten wieder auf „freien Fuß“. Wir lungerten dann noch eine Weile am Bahnhof rum, bis dann endlich der Sonderzug kam, der dann vollgestopft Richtung Offenbach rollte. Im Zug selber passierte nichts Erwähnenswertes. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Offenbach Ost, hörten wir von draußen großen Lärm. Unten wurde nämlich gerade der schon angesprochen „schwarze Mob“ durch die Straßen gedrängt. War schon ein geiles Bild. 1500 schwarzgekleidete Frankfurter, die pöbelnd durch Offenbach zogen.Und dies umringt von zwei- dreihundert Polizisten. Wir mussten dann aber einen anderen Weg wie der große Mob laufen. Allerdings wurden wir nicht so herdenmäßig zusammengepfercht, sondern konnten eigentlich ganz frei Richtung Stadion laufen. Die Bieberer Str. war komplett halbiert. Und das nicht mit Bauzäunen o. ä., sondern mit Polizeibusjen; ca. 250 hintereinander. Somit wurden die beiden Fangruppen total getrennt.
Im Stadion angekommen hielten wir erstmal Ausschau nach Alex, der uns mitgeteilt hatte, das er irgendwo in der Gästekurve eingeteilt war. Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht hatten, entdeckten wir ihn. Er stand ca. 5 m von uns entfernt unten am Zaun. Wir näherten uns im langsam und fragten von weitem, ob wir zu ihm dürften. Denn man weiß ja nie, ob der einem vielleicht auf die Glocke haut. Aber wir durften zu ihm, und unterhielten uns eine Weile mit ihm. Dann gingen wir wieder zum Ausgang, um zu sehen, wie der „schwarze Mob“ eintrifft. Allerdings wurde dieser komplett in den noch freien Nachbarblock gesteckt. Jetzt wechselten auch die ersten Hasstiraden die Blöcke, und das Derbyfeeling kam so langsam in einem hoch.
Kurz vor Anpfiff flog ein Flugzeug übers Stadion mit einem Banner im Schlepptau, auf dem stand: „Derbysieger 1959, 1974….“. Geile Aktion! Die Choreo, wenn man das überhaupt so nennen kann, der Offenbacher ging mal wieder voll in die Hose. Dafür zeigten sie sich aber heute sangestechnisch von ihrer besten Seite. Bei uns war supportmäßig nicht viel los, denn Martin durfte nicht auf den Zaun, und musste aus der Mitte des Blocks die Leute anheizen. So war es selten, dass der gesamte Block gleichzeitig das selbe Lied sang. Das Spiel war von beiden Seiten eine Schande und tat in den Augen weh. Nach gut zwanzig Minuten gingen die Vorstädter dann auch noch in Führung, was den Gästesektor für den Rest der 1. Hälfte zum Schweigen brachte. Anfangs der zweiten Hälfte war die Stimmung wieder so, wie man sie sich bei einem Derby vorstellte. Es wurde ca. 15 Minuten durchgesungen, bis man in den bis dato geilsten Torpogo übergehen konnte, den ich je erlebt habe. Denn der Ausgleich war gefallen. Wie, das hat im Block keiner so richtig gesehen, war aber auch egal. Jetzt wurde es zum richtigen Pokalfight. Allerdings konnten beide Mannschaften trotz einiger Chancen keine Tore mehr erzielen, und so ging es in die Verlängerung. Bimbo und Steffen sahen schon die Kerb an sich vorrüberziehen, auf die sie ja unbedingt noch hinwollten. Auf dem Platz ging es nur noch hin und her, beide Mannschaften hatten Chancen genug, den Sack zuzumachen. Nun ging es mit viel Gebibber ins Elfmeterschießen. Natürlich auf´s gegenüberliegende Tor, so dass die Sicht auch noch ziemlich schlecht war. Das erste Duell hieß Patrick Falk (Fussballhure) gegen Oka. Der ganze Block feuerte Oka an, und prompt hielt er auch den ersten Strafstoß. Der komplette Gästebereich bebte. Die nächsten drei Spieler trafen. Jetzt war Geri Cipi an der Reihe, der an Keeper Thier scheiterte. Nun bebte das ganze Stadion, und alles war wieder offen. Die nächsten Schützen trafen wieder. Nun traute sich kein Offenbacher mehr einen Elfer zu schießen. Plötzlich ging von außen der Offenbacher Torwart Thier zum Punkt und lief an und haute das Ding 3 m über den Kasten. Wieder bebte der Gästeblock. Jetzt musste nur noch ein Frankfurter treffen und wir haben den Derbysieg. Allerdings stockte so ziemlich jedem der Atem, als wir sahen, wer zum Punkt ging. Jermaine Jones, der die letzte Zeit nur noch scheiße zusammenkickte, war es. Hoffentlich trifft der Dabbes! Er lief an und schoß voll in die Mitte. Nein! Der Torwart hat ihn! Nein, er ist doch noch von der Hand des Torwarts ins Tor gegangen! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!!!
DERBYSIEG!!!!!!
Nun war der Block kaum noch zu halten. Alles sprang umher und war am feiern. Scheiße war das schön. Nach ein paar Minuten Feiern, war der Heimweg angesagt, denn wir wollten ja noch mal auf die Kerb. Wir gingen wieder an der grün-weißen Mauer vorbei bis zum Ostbahnhof. Nirgendwo kleine Reibereien, keine Schlägereien, rein gar nichts. Auf der einen Seite war ich ja froh, dass nichts passiert war, auf der anderen ein bißchen enttäuscht, dass es für DAS DERBY so ruhig geblieben ist. Andererseits ging die Polizeitaktik voll auf, denn die Gruppen hatten nie eine Chance aufeinander zutreffen.
Mit der S-Bahn ging es dann Richtung Hauptbahnhof, an dem wir uns dann erstmal etwas zu trinken holten, um dann an unser Auto zu laufen, das für diese Parkgebühr (17,50 Euro) eigentlich frischgewaschen hätte dastehen müssen. In Kleinostheim angekommen, stärkten wir uns erstmal im Mc Donalds, bevor wir dann auf die Kerb gingen. Dort tranken wir noch ein Siegerbierchen und zogen dann weiter ins wärmere Teddy´s Pub, wo noch mal ein paar Blonde gezwitschert wurden.
Fazit: Derbysieger! Alles andere zählt nicht!

Gez. Teddy

 

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