Griechenland 2. Liga: FC Kallithea – Ilioupolis GS

Sonntag 20.02.2011
FC Kallithea – Ilioupoli GS
Zuschauer: ca. 900
Endstand: 1-1


Groundhopping war mal wieder angesagt. Ein langersehnter Traum sollte in Erfüllung gehen: Griechenland! Athen lockte mit zwei Derbys an einem Wochenende (Olympiacos Piraeus – Panathinaikos Athen und AEK Athen – Panonios Athen), dazu wäre bei Gefallen noch ein Derby in der zweiten Liga machbar. Eine evtl. Reiseverlängerung mit Spielbesuch in Thessaloniki wurde zwecks überteuerter Flüge wieder ad acta gelegt, außerdem wollte man ja Freitags noch das Spiel der Eintracht beim so „geliebten“ Glubb nicht außer Acht lassen. Das wir dann doch auf das Gastspiel unserer Eintracht in Franken verzichten mussten, war leider der kurzfristig geänderten Flugpreise geschuldet. Aber wenn man bei Abflug Samstags fast das doppelte zahlt, als bei Flug einen Tag früher, beißt man halt in den sauren Apfel. Sportlich gesehen, war es ja auch nicht wirklich schlimm, dem sechsten torlosen Spiel unserer Magier nicht beizuwohnen. Das man evtl. abseits des Spielfeldes was verpasst hat, kann natürlich gut sein, sollte allerdings bei dem was man stattdessen in Athen auf den Rängen geboten bekommen sollte, zu verkraften sein. Allerdings kam wiedermal alles anders und Montags saßen wir mehr als angepisst nur mit dem o.g. Spiel im Gepäck wieder im Flieger nach FFM. Wie es dazu kam, erfahrt ihr nun:

Freitags von meinem Chef (Danke nochmal) an den Airport chauffiert worden, saß man kurze Zeit später schon im Flieger von Aegean Airlines gen Athen. Bereits an Bord ließen wir uns die ersten beiden Bierchen schmecken. In Athen am Flughafen an der Taximafia vorbei (90 Euro wollte der Bastard haben) zur U-Bahn. Allerdings kostete auch die 8 Euro pro Nase in die City. Von unserer Haltestelle liefen wir dank der Beschreibung von HRS zu unserem Hotel, was wir für läppische 111 Euro für die 3 Übernachtungen buchten (Gesamtpreis für uns alle drei!!!) Unsere Sachen aufs Zimmer gebracht ging es auf die Suche nach ner Sportsbar, wo wir evtl. das Eintrachtspiel sehen konnten. Dies wurde allerdings nicht gefunden. Stattdessen kamen wir in eine Kneipe, in der ca. 10 Leute vor einem Fernseher saßen und wie gebannt Animal Planet schauten! Unfassbar! Die Kerle waren alle höchstens 30! Geil! Hier die nächsten Bierchen geschleppert. Ehe es kurz vor Anpfiff zurück ins Hotel ging, wo wir uns den Kruselkick der Eintracht über Livestream im Internet anschauten. Hätten wir auch lassen können! Penner! Naja, das ganze gipfelte in einem göttlichen Vollsuff! Bei Bierpreisen von zwei Euro in der Hotelbar auch kein Wunder. Die Cola gabs für einen Euro, welche dann durch Metaxa den wir vorher beim Paki gekauft hatten und unter dem Tisch versteckt hatten gestreckt wurde.

Am nächsten Morgen mit dickem Kopf aufgestanden und im Treppenhaus gefrühstückt. Kein Scherz. Ein Teil der Tische des Frühstücksraums steht im Treppenhaus des Hotels. Frisch gestärkt ging es dann mit der U-Bahn zur Akropolis, die wir uns für 12 Euro!!! die nächsten 1,5 Stunden anschauten. Nix besonderes. Ein paar Steine halt. Imposant allerdings ist der Ausblick auf ganz Athen von hier oben. Danach nochmal kurz ins Hotel und nun sollte der erste Teil unseres Hopping-Wochenendes folgen:

Das es schwierig werden könnte, für den Hassgipfel in Piraeus Karten zu bekommen, war im Vorfeld klar. Über den Verein, und auch über persönliche Kontakte zu dem Olympiacos Spieler Holebas (gebürtiger A´burger) war nichts möglich. Also machte man sich per Tube auf den Weg in die Hafenstadt und hoffte auf den Schwarzmarkt. Am Stadion Kariskakis angekommen war bereits der Teufel los. Überall wuselten rotgekleidete Menschen umher. Eine unglaubliche Hektik herrschte. Man begann nun die Lage abzuchecken, aber man bekam nirgends mit, das Karten angeboten wurden. So wurden die ersten Leute angesprochen, die einen (sofern Englischkenntnisse vorhanden) nur auslachten. Brauchbare Tipps bekam man auch nicht. Stattdessen wurde man selbst desöfteren auf Karten angesprochen. Nach einer Weile der Bestandsaufnahme war klar, dass hier hunderte Leute rumtingelten, die noch auf der Suche nach einer Einlassberechtigung waren. Derweil klangen vom Stadioninneren die ersten gänsehautbringenden Gesänge an unsere Ohren. Es war zum verrückt werden, aber jeglicher Versuch irgendwie an Karten zu gelangen scheiterte. Man konnte auch viele Griechen beobachten, die auf diversen Wegen versuchten ins Innere zu gelangen, allerdings immer ohne Erfolg. Die Eingänge sind extrem gut geschützt. Somit war auch keine Hoffnung, irgendwie bei einem Blocksturm mit hinein gespült zu werden. Also blieb uns nichts anderes übrig, als wehmütig den Rückzug anzutreten. Wieder im Hotel angekommen, machten wir es uns in der Hotellobby bequem und begannen damit unseren Frust wegzutrinken. Soviel wie man dazu allerdings gebraucht hätte, war selbst für den größten Alkoholiker nicht machbar. Denn was man dann im Fernsehen bei der Liveübertragung zu Gesicht bekam, ließ einem mehrmals die Tränen in die Augen treiben.

Zu Spielbeginn brannte das Stadion auf beiden Hintertortribünen lichterloh (schätzungsweiße jeweils ca. 150 Bengalen erleuchteten den Nachthimmel) Die Spieler warteten geduldig auf dem Feld, bis die Rauchschwaden verzogen waren, ehe die Partie begann. Die Stimmung im Stadion kann dann auch nur als genial bezeichnet werden. Immerwieder brannte es im Stadion oder es explodierten Böller. Als in der 20. Minute die Heimmannschaft in Führung ging, explodierte das Stadion förmlich, es brannte und donnerte wieder überall im weiten Rund. Die Reaktionen nach dem Ausgleich in der 58. Minute konnten nur erahnt werden, waren aber natürlich alles andere als positiv. Der absolute Todesstoß für uns war dann der Führungstreffer für Piraeus in der 3. Minute der Nachspielzeit. Ihr könnt euch echt nicht vorstellen, was dort im Stadion dann los war. In der 98. Minute wurde das Spiel dann abgepfiffen, was einen Platzsturm der Heimfans zur Folge hatte, die während ihrer Jubelarien es sich auch nicht nehmen ließen auf Panathinaikos Spieler loszugehen. Dies allerdings scheint wohl auch in Griechenland nicht an der Tagesordnung zu sein, denn die Zeitungen am nächsten Tag waren alle voll davon und sichtlich empört hierüber. Alles in allem ein bitterer Abend für uns! Es konnte also nur besser werden, dachten wir zumindest….

Am nächsten Morgen ging es wieder mit der U-Bahn gen Piraeus, wo man sich ein wenig im Hafen umschauen wollte. Aber auch hier gibt es (wie im kompletten Athener Stadtgebiet auch – die Akropolis mit Abstrichen mal außer Acht gelassen) nicht wirklich was zu sehen. Beides absolute Dreckslöcher! Nachdem wir die Zeit vor einem Cafe damit verbrachten, betteltende Kinder und Krimskramsvertickende Afrikaner zu verscheuchen, setzten wir uns in ein Taxi, was uns zum Ground von Ionikos Nikea brachte, wo um 15:00 Uhr das Zweitligaderby gegen Ethnikos Piraeus stattfinden sollte. Allerdings ohne uns, denn dort angekommen, teilte uns ein Polizist mit, dass hier heute keine Zuschauer zugelassen seien. Den Grund konnten wir allerdings nicht herausfinden. Na toll, das geht ja gut weiter hier! Glücklicherweise war noch Zeit genug, mit dem Taxi einmal quer durch die Stadt in den Ortsteil Kallithea zu düsen, wo ein weiteres Zweitligaspiel stattfand. Der hiesige FC Kallithea trat gegen Ilioupoli GS an, welcher ebenfalls in Athen beheimatet ist. Erste Positivmeldung des Wochenendes: Es waren Zuschauer erlaubt und es gab Karten! Somit standen wir nun mit unserer ersten griechischen Eintrittskarte (15 Öcken) vor dem Ordner, welcher nix besseres zu tun hatte, als die Karten genau in der Mitte zu zerreißen – Malaka! Also rein in die gute Stube.

Das Stadion Gregoris Lambrakis bietet 4250 Leuten einen Sitzplatz. Es gibt eine Haupttribüne mit einem Dach, dass aber nur die Plätze in der Mitte vor Nässe schützt und auf der gegenüberliegenden Seite wurde ein kleine und hinter einem der Tore eine etwas größere Tribüne in den Fels gehauen. Diese blieben allerdings beide geschlossen am heutigen Tage. Bei ca. 900 Zuschauern, die es bis Anpfiff werden sollten aber auch kein Problem. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, suchten wir uns einen Platz ziemlich in der Mitte unter dem Dach. Da vor dem Einlasstor bereits ein Gefängnistransporter und dazugehörig etwa. 30 gut gepanzerte Staatsdiener standen, hofften wir auf zugelassene Gästefans. Diese sind dann auch knapp eine halbe Stunde vor dem Anpfiff stilgerecht auf 20 Scootern angebraust. So bevölkerten ein paar Minuten später ca. 40-50 Ilioupoli Supporter die linke Seite der Haupttribüne. Sahen aber recht harmlos aus die Brüder. Allerdings supporteten sie ihr Team im Gegensatz zur Heimseite fast durchgängig 90 Minuten. Der Heimpöbel befand sich auf der rechten Seite der Haupttribüne. Außer einem Bengalo zum Intro und ein paar Böllern während dem Spiel machten sie aber kaum auf sich aufmerksam. Waren auch fast nur Kinder. Naja viel hatten wir hier ja eh nicht erwartet. War zum Zeit überbrücken gedacht dieser Kick. Allerdings hatten wir dann am Spielgeschehen dann doch unseren Spaß. Bei so einem Grottenkick a la Quetschemembach vs. Rothengrund-Gunzenbach (sorry Alfred 🙂 ) haben die Kicker oftmals Probleme, ihre Laufwerkzeuge richtig einzusetzen. So gab es einige sehenswerte Fouls. Das am Ende keine Knochenbrüche zu verzeichnen waren, grenzt an ein Wunder. Nachdem direkt vor beiden Auswechselbänken ein solches rüdes Foul stattfand, war der Reigen eröffnet und alles sprang aufeinander ein. Spieler, Betreuer, Trainer, Schiedsrichter. Auch ein paar Backpfeifen wurden verteilt. Aber nach ner Minute gab der Schiri eine gelbe Karte und weiter ging das Geknüppel. Unser spezieller Freund war ein Betreuer der Heimmanschaft, der ununterbrochen am pöbeln mit dem Gästetrainer war und sich auch desöfteren zu der Auswechselbank der Gäste aufmachte um ihnen seine Meinung mitzuteilen. Zwei oder Dreimal musste sogar die Staatsmacht den Motzki wieder zur eigenen Belegschaft zurückschieben. Sehr amüsant! Auch die restlichen Stadionbesucher waren ununterbrochen am herummaulen, wenn sie mal nicht auf Kürbis-, bzw. Sonnenblumenkernen raumkauten. Da sahs am Ende aus wie in einem Vogelpark. Das Gekicke hatte glücklicherweise irgendwann ein Ende und beide Mannschaften trennten sich schiedlich friedlich 1:1.

Raus aus dem Stadion und das nächstbeste Taxi angehalten, welches uns auf direktem Weg (keine Ahnung 😉 ) ans Olympiastadion brachte, wo gute zwei Stunden später das Spiel AEK Athen gegen Panonios Athen stattfinden sollte. Der Taxifahrer schmiss uns am Haupeinfahrtstor raus, wo einige Ordner rumstanden die ab und an das Tor für einfahrende Limousinen öffneten. Einen dieser Ordner fragte Whity wo man denn Karten erstehen könnte. Am Gesichtsausdruck von ihm erkannte ich aber gleich, dass irgendwas nicht stimmen konnte. Whity kam zu uns zurück und ihm verschlug es erst die Sprache. Der Ordner hatte ihm tatsächlich mitgeteilt, dass auch hier heute keine Zuschauer zugelassen sind! Dreifach MALAKA! Das kann doch echt nicht wahr sein. Wie beschissen kann eine Tour eigentlich laufen? Wir bettelten zwar noch, trotzdem Einlass zu erhalten, den wir aber nicht gewährt bekamen. Hätte ja aber auch nicht wirklich was gebracht ohne Fans.

Angepisst und ohne ein Wort zu wechseln setzten wir uns ins nächste Taxi und fuhren zurück ans Hotel. Eigentlich hatten wir nach zwei Vollabstürzen die letzten beiden Abende nicht vor uns heute zu betrinken. Aber was bleibt einem nach so einem Tag anderes übrig? Also zum dritten Mal beim Paki ne Flasche Metaxa gekauft, die wir dann in der Hotellobby nebst ein paar Mhytos leerten.

Am nächsten Morgen ausgecheckt und mit dem Taxi für Festpreis 35 Euro an den Airport. Dort in der Wartehalle die Zeit bis zum Check In abgesessen. Wer steigt dann mit uns in die Maschine? Georgios Tzavellas nebst familiärem Anhang. Er hatte frei übers WE und war in der Heimat. Wie man in so einer sportlichen Situation seinen Spielern frei geben kann ist für mich ein Rätsel. Aber Rätsel gibt es bei der Eintracht im Moment genug! 2,5 Stunden später landeten wir bei 15 Grad weniger wieder in good old Germany, wo wir von Truckers Vater abgeholt und nach Hause gebracht wurden (danke)

Alles in Allem ein Wochenende für die Füße. Aber sowas wirft uns ja nicht um. Trucker und Steebo machen sich in drei Wochen erstmal auf den Weg nach Moskau! Hoffentlich haben Sie da mehr Glück!

Euer Teddy

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