09.08.14 Bulgarien 1. Liga: Lokomotiv Sofia – Slavia Sofia + 10.08.14 Mazedonien 1. Liga: Vardar Skopje – Skendija 79

09.08.14
Lokomotiv Sofia – Slavia Sofia
Zuschauer: ca. 800
Endstand: 1-0

 

10.08.14
Vardar Skopje – Skendija 79
Zuschauer: ca. 4500
Endstand: 3-0

 

 

 

Schon seit einiger Zeit haben wir vor, Sofia zu besuchen. Dies ist den unzähligen Berichten aus dem Frankfurter Hopper-Zine „Hopp Hard“ von Touren in die bulgarische Hauptstadt geschuldet. Hier wurde desöfteren von der Schönheit der Stadt, der Frauen und natürlich den unzähligen Möglichkeiten Fussball zu schauen berichtet. Vor allem die sogenannte „Heiße Höschen Bar“ hatte es uns angetan. Lt. Berichten handelte es sich um eine Kette in der man zum einen sehr gut und äußerst günstig Essen und Trinken konnte und zum anderen wurde dies dann von extrem knapp bekleideten bulgarischen Schönheiten serviert. Dies wollten wir uns natürlich mal vor Ort anschauen. In der Vergangenheit scheiterten Touren nach Sofia an unterschiedlichen Gründen. Immer wieder hieß es: „aber nächstes Jahr machen wir dann Bulgarien!“
Anfang des Jahres berichtete Steebo, dass er in der KW 33 Urlaub hat, da seine Firma dort Betriebsurlaub einlegt! Daher legten wir schnell fest, dass an diesem Termin der Länderpunkt Bulgarien fallen sollte! Die Planungen zogen sich auf Grund utopischer Flugpreise sehr lange hin. Erst knapp 3 Wochen vorher wussten wir genau, was ,wann, wo!

Leider fanden sich neben den beiden Hauptakteuren Steebo und Uwe keine weiteren Mitstreiter mehr und so saßen wir drei Freitags um 13:00 Uhr in Steeb´s Auto auf dem Weg gen Düsseldorf wo uns später der Kranich im Auftrag von Austrian Airlines nach Wien bringen sollte. In der Mozartstadt schnell umgestiegen und per Austrian Flug weiter nach Sofia. Dort holte uns netterweise mein Kollege von unserer Partnerspedition in Bulgarien vom Flughafen ab und brachte uns zu unserem Hotel. Tihomir hatte uns auch im Vorfeld die sonntägliche Busverbindung Sofia-Skopje-Sofia reserviert, welche am nächsten Morgen nur noch bezahlt werden musste. Hierzu erklärte er sich bereit uns erneut vom Hotel abzuholen, zum Busbahnhof zu bringen und uns danach die Stadt zu zeigen! Gerne nahmen wir dieses Angebot an und sollten es nicht bereuen.
Nach ein paar Gute-Nacht-Bierchen und ner gehörigen Mütze Schlaf saßen wir nach dem Frühstück erneut in Tihomir´s Wagen und fuhren quer durch die Stadt zum Busbahnhof, wo o.g. Fahrt gezahlt wurde. Danach parkten wir unser Gefährt am Wassil-Lewski-Nationalstadion welches sich im riesigen Park Borisowa Gradina befindet, der sich quer durch die Innenstadt zieht. Generell ist Sofia sehr „grün“!
Das Stadion konnte dank Tihomirs Überredungskünste kurz begutachtet werden! Schöne alte Ostblock Schüssel eben (gute 45000 Plätze). Danach zeigte uns der Insider das komplette Stadtzentrum. Es ist halt doch was anderes, als wenn man alleine durch die Stadt läuft, irgendwelche Gebäude fotografiert, ohne zu wissen, um was es sich hierbei handelt. Tihomir – auch Geschichte studiert – konnte hier zu jedem Gebäude und generell viel zur Geschichte der Stadt, bzw. des Landes berichten. Gibt aber auch einiges sehr sehenswertes über das er berichten konnte. Sofia ist eine wirklich sehr schöne Stadt! Hat sich wirklich gelohnt! Nach knapp 4 Stunden Fußmarsch rief die Herzensdame und Tihomir verabschiedete sich für den heutigen Tage, konnte sich aber nicht davon abbringen lassen, uns am nächsten Morgen um 06:00 Uhr am Hotel abzuholen um uns zu unserem Bus gen Mazedonien zu bringen.

Nun rief endlich Happy Bar & Grill! Genug geschuftet für heute…Für die nächsten Stunden ließen wir uns in einer der 10 Zweigstellen in Sofia nieder! Die Jungs von Hopp Hard hatten nicht zu viel versprochen! Geile Einrichtung! Super leckeres Essen! Gute Getränkeauswahl! Und das alles zu sehr günstigen Preisen. (Beispiel: Frisch gezapftes Blondes 0,5 Liter > 1,40€) Einzig die Höschen sind nun Röcken gewichen, was die Sache natürlich nicht schlechter macht 😉

Irgendwann rief dann der eigentliche Grund der Reise > König Fussball! Um zwei Länderpunkte zu realisieren, mussten wir leider in den sauren Apfel und konnten nur das „kleine Derby“ zwischen Lok + Slavia begutachten. Lewski spielte an dem WE auswärts und ZSKA leider erst am nächsten Tag! Per Taxi ging es ans etwas außerhalb gelegene Lokomitiw Stadion. Leider waren wir einer Falschinformation der Anstoßzeit unterlegen und so lief das Spiel bereits als wir um kurz nach 18:00 Uhr am Stadion ankamen (wir dachten 19:00 Uhr wäre Anpfiff)
Keinerlei Menschen auf den Straßen und wenn waren Sie weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig. Irgendwann kamen wir an einen Eingang, vor dem zig Polizisten standen, welche uns aber auch nicht helfen konnten, sondern jeweils zum nächsten Polizist schickten. Auf einmal wurden wir abgetastet und standen ohne Ticket vorm Blockeingang. Auf dem Weg die Treppe nach oben hörte ich mir die Gesänge, welche von drinnen an unsere Ohren drangen genauer an und musste feststellen, dass dies der Eingang zum Gästeblock war!
Dies wollten wir allerdings vermeiden! Also wieder Kehrtwende und unten an der Treppe einfach nach links anstatt nach rechts. Hier kam man ohne Absperrung oder Ordnungskräfte einfach wieder auf die Straße. Aha, aber Hauptsache am anderen Ende stehen 50 Bullen und kontrollieren die Leute!
Einmal ums Stadion rum und hinter der Haupttribüne für 10 Lev (5 Euro) ein Ticket ergattert. Zur 15. Spielminute nahmen wir dann endlich unsere  Plätze ein!
Das Stadion war leider nur mit ca. 800 Leuten gefüllt. Allerdings gaben sich beide Seiten Mühe, das weite Rund mit Stimmung zu füllen. Anfangs machten hier die ca. 120 Gäste den besseren Eindruck. Dies änderte sich allerdings nach dem 1:0 für die Heimelf, was dann auch der Endstand sein sollte. War aber ein sehr kurzweiliger Kick, auch wenn er fussballerisch nicht sehr anspruchsvoll war!
Per Taxi ging es direkt vom Stadion zurück ans Hotel, wo man im hoteleigenen Restaurant noch ein Betthupferl zu sich nahm und sehr frühzeitig die Federn aufsuchte, da man ja am nächsten Tag viel vor hatte!

Am nächsten Morgen stand Tihomir erneut überpünktlich vor der Tür und kutschierte uns an den Busbahnhof. Dort mussten wir leider feststellen, dass die Strecke nach Skopje wohl nicht so stark frequentiert ist, als beispielsweise nach Belgrad oder an die Schwarzmeerküste! Wo an allen anderen Abfahrtsstellen große Reisebusse mit „free WiFi“ standen, durften wir in einem alten verranzten Sprinter Platz nehmen, welcher allerdings bis auf den letzten der 14 Plätze gefüllt war. So zog sich die 4,5 stündige Fahrt in die mazedonische Haupstadt schon sehr hin. Die Strecke trug mit seinen vielen Serpentinen und Schlaglöchern auch nicht wirklich zu einer ruhigen Fahrt bei. So war man froh, als man endlich ankam! Vor Ort erstmal die Rückfahrt geklärt und danach hieß es Stadterkundung zweiter Teil!
Per Taxi ließen wir uns an die Festung Kale chauffieren, welche über der Stadt thront! Man hatte von hier aus zwar einen geilen Blick aufs Stadion und die Stadt, die Festung selbst war allerdings nicht wirklich sehenswert und dazu noch sehr heruntergekommen / vermüllt! Von hier aus ging es per Pedes zurück durch die Altstadt ins Zentrum. Viele enge Gäschen mit lauter kleinen Geschäften endeten in einem großen Basar auf dem jedweder Schund angeboten wurde. Allerdings konnte man sich hier ungestört der Auslage widmen ohne dass irgendwelche Affen einem durchgehend anlaberten um einen irgendwas aufzuschwatzen! Daumen hoch!
Schon von der Festung aus bemerkte man das riesige Kreuz, welches auf dem Gipfel des Berges Vodno stand, der sich hinter der Stadt in die Höhe baut.
Also ließen wir uns für lachhaft wenig Geld per Taxi an den Fuße des Berges bringen von wo aus eine Seilbahn zum Gipfel fährt. Eine vergleichbare Seilbahn würde in Österreich locker 15-20 Euro kosten, hier kostete der Auf- und Abstieg sagenhafte 1,20€! Oben angekommen genoß man bei einer Dose Bier den sagenhaften Ausblick auf die Stadt! Auch die Temperatur war hier oben um Längen angenehmer als die stickigen 38 Grad in der Stadt!

Wieder unten in der Stadt begutachteten wir noch das sehr sehenswerte Stadtzentrum mit zum Teil überaus imposanten Denkmälern und Gebäuden. Allerdings sind Teile dieser Denkmäler erst vor kurzem für sehr sehr viel Geld erbaut worden, was natürlich Kritik der Bevölkerung nach sich zog, welche gerne anderweitige Investitionsfelder gesehen hätte (Infrastruktur, Bildung usw.)
Nun machten wir es uns an direkt an der Vardar in einem der zahlreichen Kneipen gemütlich wo man bei frischgezapftem für 1,- Euro und Grillteller für 4,- Euro dem Anpfiff der o.g. Partie entgegenfieberte.
Eine gute halbe Stunde vor Anpfiff ließ man sich per Taxi ans Stadion fahren, wo allerdings außer ein paar rumstehende Bullen nichts darauf hindeutete, dass hier gleich ein Spiel stattfinden sollte. Wir ließen uns also erstmal in einem Biergarten nieder und erkundigten uns nach der Anstoßzeit. Keine Ahnung ob diese auf Grund der Hitze kurzfristig nach hinten verschoben wurde, aber erneut teilte uns Soccerway  eine falsche Kickoff Time mit! Statt 17:30 Uhr sollte es erst um 19:00 Uhr losgehen. Also genossen wir bei einer Runde Karten und frischgezapftem noch die mazedonische Sonne ehe ich mich auf die Suche nach Tickets machte. Lediglich ein einziger Kartenschalter hatte geöffnet vor dem einige dutzend Leute standen, die durchgehend am Fluchen waren. Schon während ich anstand hatte ich eine Vermutung, welche mir dann bestätigt wurde als ich an der Reihe war. Karten wurden nur personalisiert ausgehändigt. Ich benötigte also von den beiden Mitstreitern noch die Auweise! Mist! Als diese endlich eintrudelten, war hier nun – eine halbe Stunde vor Anpfiff – die Hölle los! Weiterhin nur ein Schalter auf und pro Karte wurden die Daten erstmal in einem Computer eingegeben. Also ging es mehr als schleppend voran! Wir standen bei gefühlten 50 Grad press an press mitten in der sich nun immer mehr gereizten Menschenmenge. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich übergab Uwe meinen Ausweis und begab mich auf den Hügel gegenüber des Kartenschalters. Die Lage wurde immer prenzliger und als es eh schon kurz davor war zu eskalieren, sprang auf einmal ein Mob von ca. 20 Mann in die Menge rein und eine kurze aber heftige Massenschlägerei entwickelte sich. Glücklicherweise konnten sich Uwe + Steebo unversehrt vom Ort des Geschehens entfernen. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch völlig unklar, was dies alles hier sollte. Nun (Spiel lief bereits) wurden die Karten auf einmal ohne Personlien rausgegeben und wie bereits am Vortag waren wir – trotz das wir 2 Stunden vor Anpfiff am Stadion waren – erst zur 15. Spielminute im Stadion.
Das Stadion – 37000 Zuschauer fassend – wurde 2008 renoviert und erinnert mit seiner Wellenform ein wenig an Leipzig. Auf jeden Fall sehr schön anzusehen, passt halt nicht wirklich in so ein Land! Die Heimkurve war mit ca. 1000 Leuten, welche sich durchweg zu 100% am Support beteiligten gut gefüllt! Einen Gästeanhang konnte man leider nicht ausmachen. Dies war etwas enttäuschend, verriet uns doch Wikipedia im Vorfeld eine große Abneigung beider Fanlager zu einander!

Auf einmal wurden die im Stadion anwesenden Polizisten aber sichtlich nervös und man bemerkte auf der linken Seite der Gegentribüne wie sich ein komplett neutral gekleideter Mob bildete welcher kurze Zeit später auch die ersten Gesänge ins weite Rund schleuderte. Wir können nur vermuten, aber gehen stark davon aus, dass eigentlich keine Gäste erlaubt waren und daher auch die personalisierten Karten verkauft wurden. Nun war richtig Stimmung im Stadion! Der Hass zwischen beiden Vereine, bzw. Städte hat wohl mit dem Kosovo-Krieg zu tun, da Tetovo und Skopje damals unterschiedliche Standpunkte vertraten. Das ist dann doch ein anderes Level als unsere „Derbys“ zu Hause! Ich habe auch noch nie erlebt, dass eine komplette Auswechselbank auf Grund eines Gesangs total austickt! Muss schon eine ziemlich derbe Beleidigung gewesen sein, welche die Heimkurve den Gästen um die Ohren haute! Aleks Vasoski (Co-Trainer in Skopje) ging daraufhin vor seine Kurve um diese zur Vernunft zu bringen!
Auch eine schöne Keilerei auf dem Platz konnte bestaunt werden! Uns wurde also eigentlich alles geboten. Lediglich sportlich war es sehr eintönig und Vardar konnte das Spiel problemlos mit 3:0 für sich entscheiden!

Nach dem Spiel sollte – zumindest unserer Beobachtungen nach – alles ruhig bleiben! Wir ließen uns erneut per Taxi an die Kneipenstraße kutschieren wo der Rest des Abends bis zur Abfahrt des Busses um 0:00 Uhr mit günstigen Verköstigungen verbracht wurde. So stieg man dann gut angeheitert in den nun etwas größeren Bus (diesmal Platz für 18 Mitfahrer – ebenfalls volle Hütte) und die Qual begann! Selten eine so anstrengende und nie enden wollende Busfahrt erlebt! Jedes Schlagloch wurde mit Vollgas durchbrettert, so dass an Schlaf nicht zu denken war.  Um 05:30 Uhr war die Tortur endlich vorüber und wir konnten uns vom Busbahnhof aus an unser Hotel bringen lassen wo man schlagskaputt in die Federn fiel!
Allerdings klingelte für mich bereits 3 Stunden später erneut der Wecker, da mich Tihomir abholte um mir die Spedition zu zeigen! Um 13:00 Uhr trafen wir uns dann am Stadion von ZSKA mit Uwe + Patrick. Leider war uns nicht vergönnt das Stadion von innen zu bestaunen. Nun wurde der Tag erneut im Happy Bar & Grill verbracht wo sich nochmals gut die Lichter ausgeschaltet wurden!
Am nächsten Morgen holte uns Tihomir vom Hotel ab und chauffierte uns an den Flughafen!  So endete eine sehr geile + interessante Hoppingtour mit zwei neuen Länderpunkten!
Ein riesengroßer Dank geht an Tihomir für seine große Gastfreundschaft!

Mal schauen welche Länder nun als nächstes bereist werden. Für mich heißt es aber dazu erstmal: SPAREN!

 

 

Teddy

 

 

 

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