Polen 3. Liga: Gornik Walbrzych – Chrobry Glogow

Samstag 19.05.2012


Cesky Dub – Neratovice-Byškovice
Zuschauer: 50
Endstand: 1-1

Gornik Walbrzych – Chrobry Glogow
Zuschauer: ca 1000
Endstand: 0-0


Da ist man so freundlich und nimmt den Bronco von Karlsruhe mit zurück nach FFM und was macht der Kerl? Bringt uns auf die Idee ne Woche später doch nochmal ins geheiligte Land der Klobasas zu fahren.

Im Bus nur so aus Spaß drüber diskutiert, ließ er nicht mehr locker. Und als er dann ne Tour zusammenstellte, auf der auch der Länderpunkt Polen fallen sollte, sagten Steebo und ich zu. Mit einem Kasinobesuch sollte die Tour Freitags gestartet werden. Aber trotz tollem Rahmenprogramm konnte leider kein weiterer Mitfahrer mehr gefunden werden. Gab zwar einige Interessenten, aber die meisten hatten an diesem WE selbst ihr letztes Spiel, worauf natürlich niemand verzichten wollte. Somit ging es zu dritt auf Reisen.

Steebo und ich trafen uns an besagtem Freitag um 15:00 Uhr an der Autovermietung wo wir in einen Ford CMAX stiegen (gutes Auto – genau richtig für drei Brummer wie uns) und Bronco in Kleinostheim am Mc abholten.

Über eine erstaunlicherweise freie A3 und A6 ging es schnurstracks nach Furth im Wald, bzw. Folmava, wo wir den Abend im Casino verbringen wollten. In Babylon (gruß an den roten Uwe – werd endlich mal Bürgermeister hier) bei der Pension Magda eingecheckt und mim Taxi zurück ins Casino.

Dort am reichhaltigen Buffet gelabt, ehe wir unser Geld der Spielbank in den Rachen warfen. Für Bronco hatte sich am heutigen Abend der Himmel auf Erden aufgetan. Essen und Trinken kostenlos zum abwinken, dazu gewann er auch noch knapp 100 Euro beim Black Jack, obwohl er überhaupt keine Ahnung von dem Spiel hatte. Steebo und ich warten heute noch auf die Beraterprovision…. Wir hatten leider weniger Glück, der Verlust hielt sich allerdings in Grenzen. Um 0:00 Uhr tranken wir unser letztes Bier, ehe wir uns ein Taxi bestellten. In Anbetracht des kommenden anstrengenden Wochenendes, wollten wir es nicht zu lange treiben…

Am nächsten Morgen wurden wir um 06:00 Uhr von Steebo´s Übergewicht geweckt. Es polterte und krachte auf einmal neben uns, da der Lattenrost den Geist aufgab und Steebo fortan teilweise auf dem Boden lag. War aber auch schlecht verarbeitet 😉
Nach dem alle sich der körperlichen Hygenie hingegeben hatten, ging es auf Reisen.

Ich beschreibe nun, wie das Wochenende geplant war, dann schreib ich, wie es am Ende kam:

Es sollte vom Hotel an der Grenze nach Cesky Dub gehen, wo um 10:15 Uhr das erste Spiel in der tschechischen 4. Liga stattfinden sollte. Direkt dabei war ein Sporthotel, dass uns für die Nacht beherbergen sollte. Samstagmittags war dann der Länderpunkt Polen geplant, welcher in Walbrzych fallen sollte, was 130 km von Cesky Dub entfernt war. Danach sollte es zurück zum Hotel gehen, wo das CL-Finale geschaut werden sollte. Sonntagmorgen 10:15 Uhr wäre im nahegelegenen Liberec das nächste Spiel gewesen und nachmittags an der Grenze das letzte Spiel.

Doch es kam leider anders….

Schon die Anreise nach Cesky Dub (280km) war mehr als beschwerlich. Ging doch der Großteil der Strecke über Landstraße. Mit Anpfiff fuhren wir auf das Sportgelände auf. Bis hierher noch alles nach Plan. Ein schönes Areal mit anliegendem Sporthotel, in dessen Dach eine Tribüne mit 4 Sitzreihen integriert war. Auch der Klobasagrill war bereits am glühen, so dass Bronco´s Augen selbiges taten…

Das Gekicke auf dem Rasen war natürlich nichts für Ästeten. Was will man bei einer Mannschaft, die in 25 Spielen ganze 9 Punkte geholt hatte, auch erwarten. Und das in der 4. Spielklasse. Krass, dass es dann noch eine Mannschaft gibt,  die mit 6 Punkten noch schlechter da steht.  Da der Gegner im Niemandsland der Tabelle rumkrebste, ging es hier sportlich um rein gar nix mehr. In der Vereinskneipe entdeckte man sogar ein von Martin Fenin signiertes Eintracht Trikot – sehr schön.

Nach Abpfiff (spiel endete vor knapp 50 Zuschauern 1:1) ging die Odyssee los. Da Bronco nicht in der Lage war, schon im Vorfeld das Hotel zu buchen („Internet setzt sich ja eh net durch…“), hofften wir natürlich auf freie Zimmer und so überraschter waren wir, als uns der Fuzzi mitteilte, dass das komplette Hotel mitten in der tschechischen Pampa ausgebucht war. Na klasse.

Also gut, mussten wir uns halt auf dem Weg nach Walbrzych eine Bleibe suchen.

So, nächstes Problem war dann, dass es Unterschiede zwischen einer Strecke von 130 km geben kann. 130 km auf deutschen Autobahnen fährt man in 45 Minuten. Aber die nächsten 130 km gingen halt mal fett durchs Siebengebirge (lt. Wikipedia die Heimat von Rübezahl – bestimmt ein entfernter Verwandter von Bronco ;-)) Was wir für krasse Feldwege fuhren, war schon der Hammer. Sage und schreibe 3,5 Stunden benötigten wir für die Strecke. Abartig! Somit war die Stadtbesichtigung in Walbrzych auch dahin….

Auf dem Weg versuchten wir wie gesagt, noch eine Bleibe zu finden. An Angeboten mangelte es natürlich nicht, da wir teilweise durch reines Skigebiet und somit Tourigegend fuhren. Aber entweder es war nix frei oder es bestand keine Möglichkeit das CL-Finale zu schauen. Wenn denn mal eine Kneipe mit Fernseher ausgemacht wurde, bekam man auch hier jedesmal einen Korb, da an diesem Abend das EM-Halbfinale im Eishockey zwischen Tschechien und der Slowakei stattfand. Als wir wieder einmal an einem Hotel mit Kneipe hielten um nach einer Unterkunft zu fragen, entschieden wir uns vor dem Reingehen, dass wir auf jeden Fall hier was Essen wollten. Die beschissenste Entscheidung des ganzen WE´s. Wir waren wohl im Kaiserlautern Tschechiens gelandet, denn Quasimodo himself bediente uns und wurde von Vater und Mutter, die bestimmt Geschwister waren unterstützt. Auch das Essen war die reinste Katastrophe. Es sagt schon alles, wenn bei uns drei der Großteil des Dargebotenen auf den Tellern blieb.
Als wir dann aus dem Etablissement rausgingen und weiterfuhren, fiel auf, dass noch einige weitere Inzuchtkinder in diesem verschlafenen Nest zu Hause waren. Nix wie weg…

Irgendwann überquerten wir dann die Grenze und fuhren mitten in den Bergen ins EM-Land Polen ein.  Als wir uns dann auch in Polen eine Abfuhr einhandelten, entwickelte sich langsam die Entscheidung, dass wir auf die Sonntagsspiele scheißen und direkt nach dem Kick in Polen heimfahren und auf dem Heimweg in Deutschland das Cl-Finale schauen…

Anstatt 3 Stunden vor Anpfiff kamen wir dann eine gute halbe Stunde vor Kick Off in Walbrzych an. Eigentlich erwarteten wir nicht wirklich viel mehr Zuschauer, als bei dem Kick am Morgen in CZ .

Als wir uns aber dem Stadion näherten und überall die Polente rumstand und die Straßen sperrten stieg die Vorfreude auf den neuen Länderpunkt. Also geeigneten Parkplatz gesucht und ab Richtung Ground. Auf dem Weg dorthin wirklich viel Polizei und überall rumlungernde böse Buben.

Als wir vor dem Stadion 1000-Lecia (1000 Jahre – Hintergrund unbekannt) ankamen, stellten wir fest, dass wir in dem ganzen Trubel vergessen hatten, uns Zloty zu besorgen. Klasse! Und das 20 Minuten vor Kick Off.

Bronco wurde als Tourenplaner damit beauftragt der Tussnelda im Kartenschalter klar zu machen, dass sie gefälligst drei Tickets gegen Euro rauszurücken hat. Allerdings ohne Erfolg! Also die Oanda-Umrechnungstabelle rausgekramt und versucht, irgendeinem Polaken das Geschäft seines Lebens aufs Auge zu drücken. Aber keiner wollte 20 Euro haben um uns dann Karten im Wert von 8,60 Euro zu besorgen. Es scheiterte meistens schon bei der Verständigung. Derweil wurden wir vom Block aus schon beobachtet, man hatte zumindest das Gefühl. Wo man hinblickte kahlköpfige Stiernacken. Hatte im Vorfeld echt gedacht, es sei immer alles ein Vorurteil mit dem bösen Polen. Aber viele Normalos gehen in Walbrzych nicht ins Stadion.

Es blieb uns also nichts anderes übrig, als zurück zum Auto zu gehen und uns auf die Suche nach einem Geldautomaten zu begeben, welcher glücklicherweise relativ flux gefunden wurde. Mit Anpfiff hatten wir unsere Tickets und zwei Minuten später machten wir es uns auf der äußeren Seite der Gegengerade gemütlich, auf der sich auch die Heimfans befanden.

Trotz dem ganzen Bullenaufgebot leider keine Gästefans vor Ort. Ob einfach nicht vorhanden, oder Anreise untersagt entzieht sich meiner Kenntnis.

Es dürften knapp 1000 Zuschauer gewesen sein, die diesem – ich nehms mal vorweg – absoluten Grottenkick beiwohnten, der leistungsgerecht 0:0 endete. Die Heimfans, welche von einer Busladung Prager Freunden (ob Slavia oder Sparta hab ich vergessen, sorry) unterstützt wurden, supporteten ihr Team trotz miserabler Leistung und goldene Ananas-Spiel durchgehend. Es wurden auch einige choreographische Mittel eingesetzt. Allerdings spielte sich der Support und die Choreos total abseits des Spielgeschehens ab. Total ungewohntes Bild für unsere Augen.

Zuerst wurde in der ca. 20. Minute einfach mal eine Überziehfahne hochgezogen und darunter eine Weile gesungen. Ein paar Minuten später wurden dutzende Fahnen ausgepackt und links und rechts mit Stoffbahnen garniert, dazwichen wurde mal während dem Spiel ein Mobfoto gemacht und in der Halbzeitpause wurde eine Kassenwurfrollenaktion gestartet. Sah alles nicht schlecht aus, aber zeitlich total sinnlos.

Kurz vor Abpfiff verabschiedeten wir uns und gingen zurück ans Auto. Just in dem Moment als wir genau hinter dem Heimblock vorbei liefen, sagte Steebo in nicht leisem Ton: „Hauptsache Polen ist jetzt gefallen“ – hätte der ein oder andere auch falsch verstehen können J

Mittlerweile hatten wir uns dazu entschlossen, den schon aufkeimenden Gedanken in die Tat umzusetzen und direkt den Heimweg anzutreten. Knapp 700 km zeigte das Navi bis in die Heimat. Davon knapp 200 km Landstraße bis zur Grenze. Noch knapp 3 Stunden bis zum Anpfiff des CL-Finales, welches wir wie gesagt in Deutschland schauen wollten. Die nächsten 2 Stunden wieder extrem nerviges Landstraßengegurke bis wir endlich die Autobahn in Sichtweite hatten. Plötzlich spielte das Navi verrückt, da dieser Autobahnabschnitt anscheinend noch nicht lange existierte und da auch die Beschilderung mehr als dürftig war, fuhren wir leider in die falsche Richtung auf die Autobahn und befanden uns jetzt erneut auf den Weg ins Landesinnere. Klasse! Ganz Klasse war dann, dass gute 30 km lang keine Abfahrt zum drehen kam. Wenns mal läuft….

An der letzten polnischen Tanke noch Kippen eingekauft waren wir kurz darauf endlich wieder in Deutschland und konnten aufs Gas drehten.

Die ersten 30 Minuten des CL-Finales hörten wir im Radio, ehe der erste Rastplatz auf deutschem Boden angesteuert wurde, wo der Rest der für Bayernfans extrem ärgerlichen 90 Minuten geschaut wurde.

Da wir mittlerweile total platt waren und noch 500 km vor uns hatten entschieden wir uns zu fahren und die Verlängerung und evtl. Elfmeterschießen im Radio zu hören. Hat sich auch gelohnt, denn nach dem letzten Elfer waren wir bereits 160 km näher an der Heimat….

Um 02:30 Uhr kamen wir letztendlich total fertig in Aschaffenburg an, wo wir noch das Auto bei der Vermietung abstellten. Ich nahm den Bronco noch mit an den Mc und dann gings in die Heiha.

Wieder mal eine Hoppingtour, bei der nicht alles lief wie geplant. Aber sonst wärs ja langweilig, oder?

Teddy

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