Russland 1. Liga: Zenit Sankt Petersburg – Morodowia Saransk

Da die Herzdame sich im September für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg ins Auslandssemester verabschiedete war für mich schnell klar, dass man sie ja durchaus dort besuchen könnte. Der Länderpunkt Russland fehlte mir ja eh noch und so wollte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nach einigem hin und her – die Visabestimmungen sind seit der Ukraine-Krise zwar nicht härter geworden, die zuständigen Sachbearbeiter aber wohl pingeliger –  bekam ich mein Visum vom Konsulat in Frankfurt, sodass ich meine Flüge buchen konnte. Letztendlich sollte die Zarenstadt von München via Warschau angesteuert werden. Direktflüge oder Flüge ab dem mir näher liegenden Zürich waren leider wahnwitzig teuer oder mit langen Zwischenstopps (36 Stunden in Kiew) verbunden. Da ich mitten unter dem Semester flog waren das leider keine Alternativen.

Nach kurzer Nacht bei einer Freundin in München machte ich mich gegen 3 Uhr in der Früh zum Franz-Josef-Strauß Flughafen auf und hob um kurz vor sechs mit der polnischen LOT gen Warschau ab. Eigentlich ein unspektakulärer Flug, aber was LOT doch für eine Drecksairline ist: Uralter Flieger und als Boardservice gab es tatsächlich gratis stilles Wasser. Den Rest konnte man wie bei Ryanair dazukaufen. Als polnischer Partner der Lufthansa hatte ich da mehr erwartet.

In Sankt Petersburg angekommen wurde ich schon am Flughafen erwartet und wir bezogen das von mir über Booking.com gebuchte Apartment in der Sankt Petersburger Innenstadt. Von außen war der Wohnkomplex nicht so dolle, im Treppenhaus hätte man auch eher nen Junkie oder einen Schlafplatz für Penner vermutet, aber die Bude selbst war tipptopp, 1A. Riesig groß und top modern ausgestattet.

In den folgenden vier Tagen bekam ich von meiner persönlichen Fremdenführerin die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten gezeigt. Von der UNESCO wurde Sankt Petersburg zu einer der zehn sehenswertesten Städte der Welt gekürt – und das vollkommen zurecht. Als ehemaliger Zarensitz gibt es monarchistische Prunkbauten und schöne russisch-orthodoxe Kirchen en masse. Vor allem der Peterhof, etwas außerhalb der Stadt, als alter Sommersitz der Zarenfamilie kann sich sehen lassen. Nach der Zerstörung durch die Nazis wurde die „Hütte“ wieder originalgetreu aufgebaut und viele Teile konnten sogar erhalten bzw. restauriert werden. Daher darf man auch nur mit blauen Schuhschonern hinein und sollte unter keinen Umständen etwas berühren. Auch der Ausblick des dazugehörigen Parks über den finnischen Meerbußen kann sich sehen lassen. In der Stadt selbst ist auf jeden Fall die Eremitage als eines der größten Museen der Welt hervorzuheben. Mit über 60 000 ausgestellten Kunstwerken und 350 Ausstellungsräumen war es uns in den 4 Stunden die wir darin verbrachten leider nicht möglich alles anzusehen. Die wichtigsten und bekanntesten Kunstwerke (Da Vinci, Rembrandt, Raffael, Rubens) wurden aber abgeklappert.

Als bekennender Fan russischer Küche und russischen Biers kam ich auch hier auf meine Kosten. Am besten haben wir aber wohl in einem georgischen Restaurant gegessen, der absolute Hammer. Nur den kleinen georgischen Nationalschnaps aufs Haus kann ich nicht weiterempfehlen. Selbst eiskalt hab ich den kleinen 80-prozentigen Rachenputzer nicht komplett heruntergebracht. Anzumerken ist hierbei aber auch, dass die Bar- und Gastroszene einen wesentlich kreativeren Eindruck als in Westeuropa macht. Überall sieht man kleine Bars und Restaurants, die wohl relativ neu sind und allerlei ausgefallenen Sachen anbieten. Ob sich die Läden halten sei mal dahingestellt. Aber wenn einer schließt, mach an der nächsten Ecke schon ein neuer auf.

Da natürlich noch der Länderpunkt fallen musste hatte ich im Vorfeld schon Tickets für Zenit gegen Morodowia Saransk im Internet gekauft. Wir liefen also ans Petrovski-Stadion welches sehr schön auf der namensgebenden Petrovski-Insel gelegen ist. Durch die Lage auf einer Insel, umgeben von der Newa, kann man das Stadion auch nur über eine Brücke erreichen. Die Sicherheitskontrollen wurden von der zahlreich vertretenen Polizei durchgeführt, war aber trotzdem nicht gründlicher als anderswo. Im Stadion holten wir uns erstmal einen Glühwein um gegen die Kälte zu arbeiten und suchten unsere Plätze auf der Gegentribüne auf. Die Schüssel ist schon ganz nett, sollte den meisten ja von CL Übertragungen bekannt sein. Auf den Tribünen findet sich das gleiche Publikum wie in Deutschland ein: ganz normale Fußballfans, Familien mit Kids und meine Lieblingsgattung Stadionbesucher, der Grantelopa. Genau so eine Gruppe Grantelopas saß auch direkt neben uns und sorgte für reichlich Unterhaltung. Die Heimkurve war wohl etwas über die Hälfte mit Kanisterköpfen gefüllt und sang auch das ganze Spiel durch. Richtig laut wurde es aber nur selten. Die Russen kochen eben auch nur mit Wasser. Gästenfans waren aus dem knapp 1400 km entfernten Saransk ganze 7 Stück anwesend.

Zum Spiel ist nicht viel zu sagen. Zenit tat sich gegen die abstiegsbedrohten Mannen aus Saransk schwer. In der zweiten Hälfte Zenit dann klar besser, aber mit absolut erbärmlicher Chancenverwertung, sodass es am Ende beim 0:0 blieb. Und da jede Serie mal reißt, war das auch mein erstes Hopping-0:0 seit dem 13.05.2013 als sich Central Espanol gegen Cerro Largo in Uruguay die Ehre gaben. Ärgerlich!

Viel zu schnell ging der Kurztrip nach Mother Russia rum und ich musste mit der skandinavischen SAS den Heimweg über Kopenhagen antreten. Auch hier aber das gleiche Bild wie bei LOT. Service = Scheisse, aber immerhin gab es hier die Wahl zwischen Wasser mit oder ohne Kohlensäure. Und Kaffee! Juhu!

Sankt Petersburg ist also eine absolut sehenswerte Stadt, die man eigentlich mal besucht haben sollte. Bisschen nervig ist zwar das Visum und die mangelnden Flugalternativen, aber für einen Länderpunkt… ich meine die Liebe, macht man ja alles.

 

Jonas

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