34. Spieltag: Hamburger SV – Eintracht Frankfurt

Samstag, 22.05.2004

Hamburger SV – Eintracht Frankfurt

Endstand: 2 – 1

Zuschauer: Ausverkauft. (ca. 11000 Wundergeile)


 

Wir entschieden uns früh, für das letzte – und vielleicht alles entscheidende – Spiel in Hamburg, einen großen Bus einzusetzen. Das einzige Problem hierbei war, dass man wahrscheinlich in einem leeren Bus sitzen würde, wenn es um nichts mehr gehen sollte. Deswegen wurde jedem die Fahrt schmackhaft gemacht, und sofort bei Anmeldung das komplette Geld eingezogen. So hatten wir auch schon Wochen vor dem Spiel den Bus bis auf einige wenige Plätze besetzt. Nach dem wir in Hannover glanzlos verloren hatten, und uns somit bei noch zwei ausstehenden Spielen 6 Punkte zum rettenden 15. Platz fehlten sagten auch sofort einige Leute ab. Natürlich genau die, die noch nicht bezahlt hatten. Allerdings gewannen wir das nächste Spiel zu Hause gegen den VfL Bochum und gleichzeitig verlor der 1.FC Kartoffellautern, was der Eintracht noch eine Minimalchance im letzten Spiel auf den Klassenerhalt verschaffte. Die Eintracht musste gewinnen, und die Pfälzer mussten zu Hause gegen die Dortmunder verlieren, die auch gewinnen mussten, um sicher im UEFA-Cup zu sein. Dies machte natürlich nochmal Hoffnung, so dass wir in der darauffolgenden Woche noch einen weiteren Bus hätten füllen können. Scheiß Erfolgsfans!
So sollte es am Samstagfrüh um 6.00 Uhr am Aschaffenburger Hauptbahnhof mit einem vollbesetzten Bus der Firma Berninger, die uns auch schon nach München chauffiert hatten, losgehen. Bimbo und ich entschieden uns, beim Steebo zu schlafen, um schon in Erlenbach in den Bus zu steigen. Nachdem ich morgens um viertel vor Vier von Papa Steebo geweckt wurde und gefragt wurde, ob ich mit zum Arbeiten gehen würde, da er mich für seinen Sohn hielt, standen wir auf, und packten unsere Sachen. Wir holten dann noch den Babilon ab und machten uns auf den Weg nach Erlenbach. Nach langem Rumgegurke fanden wir auch den „Bahnhof“ (eher eine Bushaltestelle mit Schienen), wo der Bus uns abholen sollte. Nach wenigen Minuten trafen dann weitere Mitstreiter ein, die jeweils vollbepackt mit Alkohol aus ihren Gefährten stiegen. Ca. 20 Leute waren es dann, die bereits den Weg von Erlenbach nach Aschaffenburg antraten. Natürlich durften auch bei dieser Fahrt die in Berlin berühmt gewordenen Pfläumchenkontests nicht fehlen. Und so wurde gleich damit angefangen, bis Aschaffenburg die erste Kiste zu leeren.
Am Hauptbahnhof stieg dann der restliche Pöbel in den Bus. Kurz darauf wurde gestartet, obwohl zwei Leute fehlten. Der eine war zwecks Lungenentzündung entschuldigt, von dem anderen haben wir bis heute nichts gehört. Wohl verpeilt! Egal, bezahlt hatte er. Steebo und ich teilten wieder mit den Getränken die Rückbank. Auf allen Plätzen wurde sofort losgesoffen was nur ging. Es folgten natürlich auch weitere Kontests, was die Stimmung im Bus erheblich steigen ließ. Beim ersten Stopp stand auf dem Rastplatz ein Automat, aus dem man Kuscheltiere angeln kann. Dieser wurde natürlich mit viel Begeisterung geplündert. („Das ist ein Eurobär und das ein Nichteurobär. Von den Eurobären darf man soviele einsetzen wie man möchte, von den Nichteurobären nur drei.“) Unglücklicherweise kam im Bus einer der Nichteurobären auf tragische Weise ums Leben. Dumm nur, dass seine Eingeweide im ganzen Bus verteilt wurden. Dies erregte natürlich den Busfahrer etwas, worauf er Aulbach und Eckel die Rückfahrt im Zug anbot. War aber echt ne Sauerei. Einige Bierchen und Pfläumchen später wurde abermals ein Rastplatz angefahren, wo gleich eine Telefonzellenhumba zum Besten gegeben wurde. Steebo besorgte erstmal Klebeband, um den frischgemalten Calimero an der Heckscheibe zu befestigen. Urheber dieses Doppelhalters war F. Aulbach, der wahrscheinlich auch die alten Calis verschlampt hatte. Der Busfahrer half uns glücklicherweise mit Müllsäcken aus, da die Müllsäcke, die wir gekauft hatten, alle Löcher hatten.
Um ca. 13.00 Uhr traf der Bus auf dem Busparkplatz am Stadion ein. Der Gesamtpromilleanteil dürfte dreistellig gewesen sein; und das bei 45 Leuten! Beim Aussteigen aus dem Bus war es sehr sonnig und auch angenehm warm, doch als wir einige hundert Meter gelaufen waren begann es auf einmal nach allen Regeln der Kunst zu hageln. Super! Kurz darauf wieder Sonnenschein. Dieses Wechselschauspiel sollte den ganzen Tag so gehen. Dazu kam noch eine steife Brise. Hamburg eben. Am Stadion angekommen vertickten wir noch die restlichen Karten, bevor wir in die AOL-Arena, wie es ja eigentlich heißt, schlappten. Nach dem uns eine Bratwurst wieder zu einigen Kräften verhalf, erklommen wir den Oberrang, der noch mal um einiges steiler ist als in Frankfurt. Der komplette Bus saß in einer Reihe, die Sicht war perfekt. So nach und nach trudelte der Rest der Businsassen im Block ein. Als ein rabendichter Alex E. zu seinem Sitz ging, platzte im bald der Kopf: sein Sitz war blau und nicht rot, wie die restlichen Sitze in der Reihe. Einer fehlte allerdings: Jens Roth´s Kumpel Simon war verhaftet worden, da er betrunkenerweise nicht ins Stadion reinkam und dann rumrandalierte weil er sein Geld wieder haben wollte.
Die Spannung stand jedem ins Gesicht geschrieben. Die Zeit bis zum Anpfiff ging verhältnismäßig schnell rum. Nun war es soweit. Nach einer riesigen Ehrungsaktion der Hamburger für ihren Masseur Hermann Rieger konnte es beginngen, das 5. Wunder vom Main an der Elbe! Die Eintracht legte auch gleich los wie die Feuerwehr. Versuchte sofort zu zeigen, wer hier heute das Spiel gewinnen wird. Dies versuchten auch die Fans der Mannschaft vermitteln zu wollen. Denn die komplette Kurve (ca. 11000) stand von Beginn an und supportete. Echt eine Hammerstimmung! In den ersten Minuten scheiterten die Adlerträger, insbesondere Nico Frommer, mehrmals kläglich frei vor dem Hamburger Tor. Plötzlich schwappte die Schreckensmeldung durch den Block, welche auch gleich darauf an der Anzeigetafel bestätigt wurde: Kaiserslautern war in Führung gegangen. Nach kurzer Schockphase sammelten sich alle wieder und es wurde weitersupportet. Nach knapp einer halben Stunde bebte die AOL-Arena. Aber nicht, weil der HSV in Führung gegangen war, sondern die Gäste aus Frankfurt! Ioannis Amanatidis brachte den Ball zum erlösenden 1:0 im Tor unter. Kurz darauf war wieder alles am jubeln, den per Radio wurde der Ausgleich in Kaiserslautern bekannt gegeben, aber auch gleich wieder storniert, da der Treffer nicht gegeben wurde. Ca. 20 Sekunden später stand es aber plötzlich in Hamburg wieder Unentschieden. Mahdavikia hatte getroffen. Schock! In der zweiten Halbzeit lief bei der Eintracht nichts mehr zusammen. Ein Ballverlust und Fehlpass nach dem anderen, so dass es kein Wunder war, dass der HSV in Führung ging. Aus Kaiserslautern war auch nichts Positives zu vernehmen, so dass niemand mehr an ein Wunder glaubte. Überall hängende Köpfe. Kurz vor Abpfiff war es Gewissheit: Die Eintracht wird die Saison 04/05 in der zweiten Liga bestreiten. Dies hielt aber die Fans nicht davon ab, die Mannschaft gebührend zu verabschieden. Plötzlich standen wieder alle und sangen mit aller Kraft: „SGE, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar, Zweite Liga, tut schon weh, scheiß egal, oh SGE!“ Gänsehautstimmung. Nach dem die Mannschaft in der Kabine verschwunden war, begaben wir uns auch Richtung Busparkplatz. Als es hieß, jeder wäre im Bus, setzte sich der Bus Richtung Kietz in Bewegung. Doch wir waren kaum 5 Minuten unterwegs, klingelte Steebos Handy. Es war Bednarek, der nicht im Bus war und wissen wollte, wo wir jetzt hingehen würden.
An der Reeperbahn angekommen, begab sich der komplette Businhalt in den Burger King, um sich erstmal zu stärken. Danach teilten sich die Wege der einzelnen Grüppchen. Wir schlenderten mit ca. 10 Mann durch die Gassen, um uns ein wenig umzuschauen, und um in einer gemütlichen Kneipe ein Bierchen zu schlürfen. Aber alles was wir fanden, waren entweder irgendwelche abgesifften Klitschen, oder Stripbars, die Eintritt kosteten und das Bier minimum 5 Euro. Irgendwann standen wir dann vorm Dollhouse, dass ja sehr bekannt ist, aber auch stolze Preise besaß. Gegenüber war aber das Dollhouse Diner, wo es sehr gemütlich war und auch die Preise angenehm (Aschaffenburg-Niveau) waren. Hier wurden dann erstmal einige Bierchen und Cocktails konsumiert und auch die Nougatpresse wurde von allen sehr beansprucht. Kurz darauf kam auch unser Häftling reinspaziert, und berichtete erstmal von seinem Zellenaufenthalt. Die Polizei hatte ihn blasen lassen und er hatte stolze 2,9 Promille hingelegt. Daraufhin ließen sie ihn erstmal in der Zelle. Aber Konsequenzen hat er zum Glück keine zu erwarten.
Dann hatten wir eigentlich vor, doch mal ins richtige Dollhouse zu gehen. Als wir aber aus dem Diner rausgingen, fiel uns das Safari ins Auge, dass auch sehr gut sein sollte. Allerdings warnte uns der Türsteher vor, dass die Preise hier extrem hoch waren: 5 Euro Eintritt und das erste Getränk muss mindestens 25 Euro kosten. Na dann doch eher nicht. Ins Dollhouse wollte dann irgendwie auch keiner mehr. So schlenderten wir wieder ohne genaues Ziel über den Kietz. Wir beschlossen erstmal einen Abstecher durch die Herbertstraße zu machen um uns dort wenigstens ein paar hübsche Frauenkörper anzuschauen. Auf dem Weg dorthin hätte jeder von uns mindestens 50mal „mit um die Ecke“ gehen müssen. Echt penetrant diese Nutten. Nachdem wir den schönsten Schaufensterbummel, den man in Deutschland machen kann, hinter uns hatten, wollten wir eigentlich in die Metalkneipe, in der wir schon vor drei Jahren waren. Allerdings wurde diese mittlerweile zur Hamburger Hoolkneipe umfunktioniert, so das wir auch dies knicken konnten. Also schlenderten wir weiter ins Ungewisse. Einige Nuttenabwehraktionen später liefen wir direkt auf die Hamburger Spielbank zu, wo ich unbedingt hinein wollte. Jens Simon, Jens W. und Uwe gingen mit, der Rest ging genervt zurück ins Dollhouse Diner, wo sie wenigstens wussten, dass es schmeckt und nicht zu teuer ist.
Da wir erfreut feststellten, das im Kasino keine Kleiderordnung herrschte, zahlten wir gern den 1 Euro Eintritt. Wir fuhren gleich in den dritten Stock, wo Roulette und Black Jack gespielt wurde. Allerdings war hier die Hölle los. Und ich glaube wir waren, abgesehen von den Groupies, die einzigen Deutschen im Raum. Ich interessierte mich mehr fürs BJ und schaute da ein wenig zu und hoffte einen Platz zu ergattern. Da ich aber irgendwann merkte, dass sich so schnell keiner von den Zockern erheben würde, ging ich zu den anderen an den Roulettetisch. Jens S. hatte zu dem Zeitpunkt schon 80 Euro gewonnen und hörte auch wieder auf, den so war die Fahrt nach Hamburg für ihn kostenlos. Ich wechselte mir auch 20 Euro in Chips und hatte kurze Zeit Später 44 Euro daraus gemacht. Nun gingen wir zwei Stockwerke tiefer zu den einarmigen Banditen, wo ich meinen Gewinn leider wieder dem Automaten in den Rachen schmiss. Egal 3 Euro gewonnen und ne Stunde Spaß gehabt. Wenn das mal einer sagen könnte der gerade aus de Herbertstraße rauskommt. He He. Jens wollte von seinem Gewinn eigentlich ne Runde Peepshow ausgeben, aber so dumm wie es klingt es war leider so: Wir haben auf die Schnelle keine Gefunden. Da es zu diesem Zeitpunkt wieder mal extrem schüttete, entschieden wir uns die letzte halbe Stunde im Burger King zu verbringen. Drinnen angekommen holten wir uns erstmal ein Pseudogetränk, damit wir wenigstens was in der Hand hatten, wenn wir uns schon da drin aufhielten. Da im vorderen Teil alles besetzt war, gingen wir nach hinten, und siehe da, der halbe Bus hatte die selbe Idee wie wir. Jeder erzählte sich die Erlebnisse des Tages, und so gingen die letzten Minuten bis zur Abfahrt auch recht schnell rum.
Um Punkt 0.00 Uhr waren alle am Treffpunkt, außer der Bus. Dieser kam aber auch einige Minuten später angefahren, und so konnten wir uns erschöpft in die Sitze fallen lassen. Leider war die Rückfahrt nicht so bequem wie gedacht, da Chaot mit uns die Rückbank teilte, weil Babilon im nur für eine Arschbacke Platz ließ. Aber es ging auch so. Wir (Steebo und ich) hatten ja trotzdem noch je zwei Sitze. Die Rückfahrt dauerte dank einer Brückensprengung auf der A7 etwas länger als die Hinfahrt, da man durchs dickste Gesträuch hindurch umgeleitet wurde, und man so eine gute Stunde verlor. Um 7.30 Uhr kamen wir wieder heil am Aschaffenburger Hauptbahnhof an.

Gez. Teddy

 

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